Die Tour

13. Portugal (Part 1)

Wir hatten Galizien etwas traurig verlassen. Gerne wären wir noch länger geblieben, um die schönen Rias zu erkunden und das fantastische Essen zu genießen. Vor allem unserer letzter Ankerplatz, vor den Ilas Cíes hatte uns wirklich begeistert. Eigentlich krostek das Paradies zu verlassen. Aber wir hatten uns verabredet – und zwar in einem ganz anderen Teil von Spanien – und mussten weiter. Also ab nach Portugal. Eigentlich hatten wir uns seitdem wir in Deutschland abgelegt hatten auf unseren Portugalaufenthalt gefreut. Als wir 2016 gemeinsam Urlaub in Portugal gemacht hatten, hatte uns das Land begeistert. Daher entschieden wir auch kurz nach unserem Ablegen, dass wir uns jetzt auch freuen!

Am Bahnhof von Viana do Castelo

Unsere erste Station nach Spanien – es war mittlerweile der 4.07.2019 – war der Ort Viana do Castelo, kurz hinter der Grenze. Wir hatten eine sehr entspannte Überfahrt, der Atlantik war nett zu uns. Keine hohen Wellen, keine starken Strömungen, alles easy. Und wir stellten fest, dass Krebse richtig schwimmen. Auf dem Weg sahen wir unglaublich viele Krebse kurz unter der Wasseroberfläche schwimmen. Das sah ziemlich irre aus. Um nach Viana do Castelo zu kommen, mussten wir in eine kleine Flussmündung einfahren. Die Hafeneinfahrt war etwa 1 km Flussaufwärts. Wir hatten vorher überlegt, ob wir nur am Warteponton festmachen, um unabhängig von der Brückenöffnng zu sein, aber da lagen schon zwei Riesenboote, somit viel die Option aus. Wir funkten den Hafenmeister an, weil es eine Fußgängerbrücke gab, die geöffnet werden musste, bevor wir in den Hafen einfahren konnten. Er teilte uns mit, dass er in 10 Minuten öffnen würde. Wir dümpelten also noch ein bisschen rum und staunten nicht schlecht wegen der Wasserwirbel, die durch die starke Strömung verursacht wurden und wegen dem starkem Schwell, der sich bei den anderen Booten beobachten lies. Es war vielleicht doch ganz gut, dass wir in den Hafen fuhren.

Hafeneinfahrt Viana do Castelo mit den beiden Booten am Warteponton

Es dauerte auch nicht mehr lange, bis die gesamte Brücke zur Seite gefahren wurde und wir einlaufen konnten. Der Hafenmeister signalisierte uns wir müssten uns ins Päckchen legen und schrie zu uns rüber, es wird aber super komfortabel. Aha! Als er auf eine enge Lücke zwischen zwei Booten wies, bat ich Fiete das Steuern zu übernehmen. Das war mir zu heikel. Gegen Poller bumsen ist eine Sache, gegen Boote eine ganz andere. Es klappte aber alles sehr gut und der Hafenmeister half uns netterweise beim Anlegen. Das Boot, neben welchem wir im Päckchen lagen, war tatsächlich sehr komfortabel für den Überstieg und da der Bootseigener gar nicht da war, mussten wir mit unseren zwei Kindern auch nicht übertrieben Rücksicht nehmen. Wir waren happy und hatten einen entspannten Abend. Die entspannte Nacht endete abrupt um 7 Uhr morgens, als das naheliegende Fitnessstudio seinen Spinningkurse unter lautstarker Musik einleitete. Schrecklich diese sportlich übermotivierten Samstagsmorgens Fitnessfans…

Gasse in Viana do Castelo

Wo wir schon mal wach waren, konnten wir auch aufstehen und uns auf den Weg mache um Viana do Castelo zu erkunden. Die Stadt war sehr schön und wir waren glücklich wieder in Portugal zu sein. Genau wegen der schönen Architektur, der Azulejos (typisch portugisische Fliesen, meistens in blau), der tollen Atmosphäre in den Strassen und auf den Plätzen, den freundlichen Menschen und dem guten Essen hatten wir uns vor drei Jahren in dieses Land verliebt.

War Mary Poppins hier? fragte die Große

Viana do Castelo war sehr charmant mit schönen Plätzen und beeindruckenden Kirchen. Ganz besonders gefiel uns die Kirche „Igreja da Misericórdia“ aus dem 16. Jahrhundert, die Kirche der Barmherzigkeit. Ein wunderbares Beispiel barocker Baukunst in Portugal. Die Kirche war im Inneren über und über mit Azulejos verziert war.

Das Innere der „Igreja da Misericórdia“

Nach einer Runde in der Stadt und einem netten Mittagessen wollten wir uns auf machen, um die auf dem Hügel gelegene Kirche „Santuario Santa Lucia“ zu erkunden.

Blick von der Altstadt auf die Kirche Santa Lucia

Man konnte hochlaufen oder eine Standseilbahn nach oben nehmen. Es war heiß, wir haben zwei Kinder, wir entschieden uns eindeutig für die Standseilbahn. Diese zählt zu einer der längsten Bahnen Portugals und war vor allem für die Große ein tolles Erlebnis. Zwischenzeitilch ist dann auch für ein bisschen Adrenalin gesorgt, wenn die zweite Bahn einem auf dem eingleisigen Weg entgegenkommt…aber dann sieht man den „Kreisverkehr“, auf welchem sich die Bahnen begegnen und sehr dicht aneinander vorbei fahren.

Die Standseilbahn, die zu Santa Lucia führt

Oben angekommen hatten wir tatsächlich einen spektakulären Ausblick. Die Kirche selbst hat eine außergewöhnliche viereckige Form und wunderschöne Rosettenfenster. Das Innere von Santa Lucia war extrem kitschig mit einem blauen Deckengemälde bemalt. Aber die Fenster warfen wirklich ein sehr schönes Licht in das Innere. Der Platz und die Aussicht waren die Fahrt nach oben auf jeden Fall wert.

Buntes Licht im Inneren der Kirche Santa Lucia

Auf dem Weg zurück zum Hafen kamen wir noch bei einem bezaubernden Laden, Mãe Galinha, mit selbstgenähten Kinderartikeln vorbei. Die Große und ich waren gleich verliebt in alles! Am liebsten hätten wir den ganzen Laden gekauft. Wir beschränkten uns dann doch auf ein Geschenk für unsere in Cascais lebende Freundin, die vor zwei Monaten Mutter geworden war und ein paar Kleinigkeiten für unsere Kids: Haarspange, Kuscheltier und Haarband. So süß!

Die beiden Mädels mit der Ausbeute aus dem Laden Mãe Galinha

Povoà de Varzim

Am nächsten Tag legten wir mit der auslaufenden Strömung in Viana do Castelo ab, um nach Povoà de Varzim zu segeln. Dort wollten wir endlich die über Instagram gefundene, deutsche Segelfamilie treffen. Von der Serenity hatten wir uns schon einige Tipps für Galizien gelesen und ausprobiert. In Povoà do Varzim lag die Segelcrew jetzt für einen Monat im Hafen. Wenn wir schon immer ihrem Segelblog folgten, wollten wir jetzt auch mal persönlich sehen wer dahinter steckt. Wir segelten also einen kurzen Törn von 15 Seemeilen nach Povoà. Die Serenitycrew war nicht an Board, dafür trafen wir einen Teil der Besatzung der Bigfoot. Von dieser Segelyacht hatten wir von zwei Bekanntschaften vorher schon viel gehört. Lustig, wie sich die deutschen Langzeitsegeler dann irgendwann alle kennen. Wir drehten eine Runde in Povoà, was nicht besonders schön war, aber auch nette Ecken hatte.

Die Straßenschilder in Povoà de Varzim gefielen uns sehr gut!

Noch netter war es allerdings den Abend bei der Serenity ausklingen zu lassen (leider ohne Fiete, weil der mit der Großen eingeschlafen war). Wir hatten uns einiges zu erzählen. Schade, dass wir nicht ein wenig mehr Zeit miteinander hatten. Die eigentlich Segelbesatzung der Bigfoot haben wir aufgrund von Zeitmangel dann auch gar nicht erst kennengelernt. Aber unsere Zeit war nunmal leider, nach wie vor, begrenzt. Wir waren am 19.07. in Málaga verabredet und jetzt war auch schon der 7.07….Wir planten also für den nächsten Törn eine längere Tour hinzulegen. Die Häfen an Portugals Westküste gelten aufgrund der Atlantikdünung eh als schwierig, da sie nicht bei jedem Wetter anlaufbar sind. So konnten wir unserem Zeitkonto ein bisschen was gutschreiben und ersparten uns eventuell gesperrte Häfen anlaufen zu wollen. 195 Seemeilen waren es bis zu unserem nächsten Ziel in Cascais. Dort wollten wir unsere Freundin und ihr Baby treffen. In Lissabon würden wir leider doch nicht halten, obwohl wir davon immer geredet hatten. Aber wir waren vor drei Jahren schonmal dort und waren uns sicher nochmal von Berlin aus hinzufliegen.

Die Tine auf dem Atlantik vor der Küste Portugals

195 Seemeilen von Povoà nach Cascais

Also brachen wir am Nachmittag auf, da dann der Wind gut stand. Kurz hinter dem Hafen trafen wir dann auch schon wieder unsere Lieblingsbegleiter, ein paar Delfine. Der erste Segeltag war sehr schön, der Wind passte super und ich übernahm wieder den ersten Teil der Nachtschicht. Gegen 2 Uhr übernahm Fiete dann den zweiten Teil. Gegen 3 Uhr wurde ich dann wach, weil es plötzlich taghell war. Ich dachte noch „Bitte lass Fiete versucht haben ein Foto zu machen“, aber dem war nicht so. Als es kurz darauf das zweite Mal blitzte war dann klar, es gab ein Gewitter. Als Fiete dann auch noch meinte er wäre raus aus seiner „Komfortzone“, war mir gar nicht mehr wohl zumute. Wenn Fiete es schon unbehaglich findet, dann ist es wirklich nicht mehr cool. Um 4:15 Uhr war das Gewitter laut Blitzdetektor dann schon so nah, dass Fiete die gesamte Bordelektronik vorsichtshalber ausschaltete. Das Wort unbehaglich erhielt eine unbestimmbare Steigerung. Ich versuchte die ganze Zeit weiterzuschlafen – ich konnte ja eh nichts machen – aber so richtig gelingen wollte mir das nicht. Gegen 5 Uhr war das Gewitter dann vorbei und wir waren beide sehr erleichtert. Das war wirklich eine gruselige Nacht. Ich schlief endlich wieder ein und wurde knapp eine Stunde später von einem kuriosen Geräusch geweckt. Ich konnte es erst nicht richtig zuordnen, dachte ich träume noch, aber dann ging mir auf, dass es Delfingesang war. Sie schwammen direkt neben uns und quickten vor sich hin. Fiete bestätigte mir, dass es sich tatsächlich um Delfine handelte. Das war wirklich unglaublich toll. Jetzt konnten wir sie sogar schon hören!

Unsere Lieblingssegelbegleiter

Später am Morgen sah ich dann auch nochmal Delfine. Es bleibt ein tolles Erlebnis. Der zweite Segeltag war wettertechnisch nicht so schön. Dafür hatten wir konstanten Wind und mussten nicht motoren das war gut. Die zweite Nachtschicht verlief zum Glück auch wesentlich entspannter. Es gab ein wunderschönes Meeresleuchten, das ich so stark auch noch nicht gesehen hatte. Den letzten Teil der Nachtschicht, machten Fiete und ich dann zusammen. Wie romantisch! Das hatten wir bisher auch noch nicht gemacht, da bisher immer einer Erholung gebraucht hatte. Der Rest der Nachtschicht war kurz, wir erreichten bald unseren Ankerplatz.

Gegen 5:30 Uhr war der Anker vor Cascais dann gesetzt und wir waren froh, dass wir schlafen gehen konnten.

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