Die Tour

9. La belle Normandie (Part 2)

Auf dem Weg von Fécamp nach Le Havre kamen wir an Étretat vorbei, ein berühmtes Felstor an der Steilküste und Motiv zahlreicher Postkarten. Als wir lossegelten war es diesig und ich hatte schon Sorge, dass wir die Küste gar nicht sehen würden. Zudem mussten wir kreuzen, um überhaupt in die richtige Richtung zu gelangen. Das heißt wir segelten erstmal gaaaanz weit weg von der Küste. Als ich gerade dachte wir wären schon an Étretat vorbei ohne das Felstor gesehen zu haben, sichteten wir es doch noch. Es war etwas weit weg, aber mit dem guten Objektiv von Fiete konnte man es dann doch erkennen. Ich habe das Felstor diverse Male vom Strand aus gesehen, es jetzt nicht vom Wasser aus sehen zu können, hätte mich doch sehr geärgert. Der Tag war also gerettet.

Felsentore von Étretat

Étretat war zu sehen und die Sonne kam dann auch noch raus. Es wurde ein wunderbarer Segeltag und hatte nichts mit unserem seekranken Trip nach Fécamp gemeinsam. Waren wir vorher eher immer allein auf dem Wasser gewesen, so war vor dem Hafen von Le Havre richtig Betrieb. Es war Christi Himmelfahrt und mehrere Regatten fanden statt. Außerdem kamen wir dem Saisonbeginn näher, dass merkte man. Überall waren plötzlich Boote. Vor uns, hinter uns, neben uns. Zum Glück ist der Hafen von Le Havre sehr groß und bot genügend Platz für Besucher. Wir hatten einen schönen Liegeplatz mit Blick auf die Mole. Kaum angelegt machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Der Mann wollte am Vatertag zum Essen eingeladen werden.

Regatta vor Le Havre

Doch zuerst standen wir noch vor einem großen Problem: Der Hafenmeister war nicht da und auch telefonisch nicht erreichbar. Der Automat, der eigentlich eine Karte ausspucken sollte, um die sanitären Anlagen und das Hafentor zu öffnen, funktionierte nicht. Im Hafen selbst und drum herum konnte uns auch keiner sagen wie wir wieder rein kommen sollten. Da alles mit Karte bzw. für die Dauerlieger mit einem Chip funktionierte, konnte uns auch niemand einfach den Code mitteilen, so wie das anderenorts schon mal funktioniert hatte. Wir hatten also ein Problem. Eine nette Dame öffnete uns die sanitären Anlagen, so konnte zumindest die Große schon mal auf Toilette und die erste, eilige Hürde wurde überwunden. Aber wie sollten wir nach dem Essen wieder rein kommen? Warten bis einer kommt? In der Segelschule nebenan traf ich auf einen sehr netten Segellehrer, der zwar auch nicht wusste wie der Hafen das handhabt, der mir aber kurzerhand seinen privaten Chip für den Hafen übergab. Ich muss mitleiderregend ausgesehen haben, alleine mit einem Baby vor dem Bauch (Fiete und die Große waren schonmal zum Spielplatz vorgegangen). Er bat mich ihm den Chip am nächsten Tag zurück zu bringen. Ich war ihm so dankbar! Wir konnten also entspannt essen und duschen gehen. Das Restaurant musste natürlich Fietes zweitliebstes Essen anbieten: Pizza! (An Nr. 1 steht immer noch meine Lasagne, die ist auf dem Boot aber nicht so einfach zuzubereiten.) Die Pizzeria war nicht schlecht und alle waren satt und zufrieden. Und wir kamen dank des Segellehres ohne Probleme wieder zum Boot. Natürlich habe ich den Chip für das Hafentor am nächsten Morgen zurückgebracht. Der Hafenmeister erzählte dann, dass die Maschine eigentlich eine Karte hätte ausspucken sollen, aber wegen dem Feiertag war sie wohl falsch eingestellt. Blöd gelaufen, aber zum Glück ja glimpflich ausgegangen.

Der Hafen von Le Havre

Wir hielten uns nicht lange in Le Havre auf, weil wir nach den vielen Wettertagen unbedingt weiter kommen wollten. Wir hatten uns in Dieppe eine Westeuropakarte gekauft und unseren bisherigen Weg darin eingezeichnet. Dabei fiel uns auf wir waren schon weit gekommen, aber sooo weit dann auch noch nicht. Die Strecke, die wir noch vor uns hatten war lang. Ungefähr 2500 Seemeilen lagen noch vor um bis nach Bari zu gelangen.

Le Havre ist außerdem eine Stadt die im Zweiten Weltkrieg stark zerstört wurde, weswegen viele 60 Jahre Bauten das Stadtbild beherrschen. Daher ist die Stadt nicht besonders schön. Der Strand und der dort gelegene Spielplatz waren toll und die Große hätte dies gern weiter genutzt, aber deswegen bleiben? Le Havre hat wohl auch ein sehr interessantes Museum für moderne Kunst, denn überall in der Stadt sieht man große Plakate an den Häuserwänden, die Kunst aus dem Haus zeigen. Trotzdem. Keine Zeit! Wir mussten weiterkommen. Das nächste Schlechtwetterfenster würde auch kommen und man kann sich halt auch nicht alles ansehen. Sieben Monate sind lang, aber endlich.

Streetart in Le Havre

Am 31.05. ging es also bei strahlendem Sonnenschein und milden Temperaturen weiter. Endlich warm! Dafür gab es aber auch keinen Wind und wir mussten bis zu unserer nächsten Etappe, Saint-Vaast-La-Hougue, unter Motor fahren. #irgendwasistjaimmer. Dafür konnten wir Mädels nur im Kleid bekleidet auf dem Boot sein, das war eine Premiere. Außerdem sahen wir gleich bei der Hafenausfahrt wiedermal Seerobben, somit war die Stimmung besonders gut an diesem Tag. Tiere sind immer der Knaller. Außer es sind Möwen, davon gibt’s zu viele…

Wir waren lange unterwegs, bis nach Saint-Vaast-le-Hougue. Ursprünglich hatten wir geplant direkt von Le Havre nach Cherbourg zu segeln, aber ohne Wind war uns das doch zu weit. Wir hatten so schon 10 Motorstunden bis zum Ziel, sehr zur Unzufriedenheit unseres Kapitäns. Ich kanns verstehen, der Motor ist echt laut und hat halt wenig mit segeln zu tun. Trotzdem war der Bootstag an sich sehr schön, so ganz ohne Schräglage ist auch mal angenehm. Abends, als wir in Saint-Vaast-le-Hougue einliefen waren wir sehr begeistert von den kleinen Inseln vor der Küste.

Tour-Vauban auf der Île de Tatihou vor Saint-Vaast-la-Hougue

Die Île de Tatihou ist ein wunderschönes Naturschutzgebiet und bietet zahlreichen Vogelarten ein Zuhause. An der Spitze der Insel liegt der Vauban-Turm, der seit 2008 zum UNESCO-Kulturerbe gehört. Es bot sich uns ein wunderschönes Panorama. Im Hafen von Saint-Vaast lagen ebenfalls eine Menge Boote und einige Franzosen hielten kleine Feiern an den Stegen ab, sie tranken Champagner und aßen Horsd’oeuvre. Wir bekamen leider nichts ab, aber die „Joie de vivre“ war überall. Der ganze Ort hatte auch einen anderen Duft… es roch plötzlich nach Sommer. Palmen standen überall und eine Menge hübscher Blumen verströmten ihren Duft. Es war sehr schön. Zur Krönung gab es einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Sonnenuntergang im Hafen von Saint-Vaast-la-Hougue

Saint-Vaast schien sehr hübsch und wir überlegten diesmal länger, ob wir wirklich schon weiterfahren sollten. Aber wir hatten einen Plan, also entschieden wir uns für die Weiterfahrt. Weiter kommen, weiter kommen. Also ging es nach Cherbourg. Vom Hafen in Cherbourg hatten wir bisher nur Gutes gehört und weit war es bis dahin auch nicht mehr. Knapp 25 Seemeilen hatten wir an diesem Tag vor uns. Unser Start nach Cherbourg war wieder ziemlich frisch, aber kaum waren wir in Cherbourg angekommen – so gegen 14:30 Uhr – kam uns zum ersten Mal ein warmer Wind entgegen. Pünktlich zum ersten Tag des Sommers, dem 1. Juni, hatten wir dann einen richtig warmen Tag. Plötzlich waren es fast 30 Grad und Sonnenschein und der sommerliche Duft aus Saint-Vaast war hier noch sommerlicher. Cherbourg war tatsächlich auch sehr schön, leider versauten wir uns den Tag indem wir versuchten einen 1,5 Kilometer entfernten Spielplatz zu erreichen. Der Weg führte nur an hässlichen Hauptstraßen vorbei, die Große hatte Fußschmerzen, weil sie nur Flipflops anhatte, Fiete war zu heiß und ich schleppte mal wieder die Kleine, was bei den Temperaturen noch mehr auf den Rücken ging als ohnehin. Kurz vorm Ziel war die Stimmung schlecht. Sehr schlecht. Wir entschieden die Unternehmung abzubrechen. Stattdessen bekam die Große noch mal ordentliche Sommerschuhe im nahegelegenen Einkaufszentrum und für das Mini kauften wir einen Buggy, damit ich sie vielleicht doch nicht immer tragen musste. Somit war das Ende des Tages doch noch ganz gut, aber leider hatten wir das schöne Wetter nicht annähernd positiv genutzt. Dafür war der Hafen von Cherbourg wirklich toll. Die sanitären Anlagen waren in einem super Zustand und zum ersten Mal gab es einen Babyraum mit einer Wanne und einer Wickelplatte.

Babybad in Cherbourg

Die Gelegenheit lies ich mir natürlich nicht entgehen unser Baby ausnahmsweise mal unter idealen – und nicht gebastelten – Konditionen zu baden. Mini war sichtlich erfreut über die große Wanne und wir waren erfreut ein sauberes, glückliches Baby zu haben. Man könnte auch sagen: glückliches Baby, glückliche Crew!

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