Die Tour

24. Segeltour Sizilien

Wir waren von den Ägadischen Inseln zu einem Ankerspot vor San Vito lo Capo, beim sizilianischen Festland gesegelt. Nachdem wir einen Tag das Wasser und die schöne Aussicht dort genossen hatten, freuten wir uns schon auf den nächsten Tag: Wir waren mit Fietes Eltern (Monika und Henning) verabredet, die wir seit 6 Monaten nicht gesehen hatten.

Unsere Ankerbucht in San Vito lo Capo

Fietes Mama hatte sich Wochen zuvor den Fuß gebrochen und war noch mit Krücken unterwegs. Trotz der Krücken, wollte Fiete seine Eltern mit dem Dinghy am Strand abholen und sie an Board bringen. Es klappte auch recht gut, sie konnte wieder leicht auftreten, aber da sie sich den Fuß auf einem Boot gebrochen hatte, war dennoch höchste Vorsicht geboten! Zum Glück waren alle vorsichtig genug, keiner verletze sich und nach einem freudigen Wiedersehen auf der Tine, nutzten wir das schöne Wetter zum Baden und erzählen.

Das traumhafte Meer der sizilianischen Küste

Am Abend gingen wir zusammen in die Stadt, um in ein Restaurant zu gehen. San Vito lo Capo ist kein besonders schöner Ort: man trifft überwiegend auf große Straßen, die von vielen Geschäften und Restaurants gesäumt werden, die in Betonbauten untergebracht sind. Immerhin gibt es keine Bettenburgen und San Vito lo Capo ist eben für seinen schönen Strand bekannt, nicht für die außergewöhnliche Schönheit des Städtchens.

Keramikladen in Erice, Sizilien
Solche für Sizilien typischen Keramikläden finden sich fast überall

Auf jeden Fall hat es durch die touristische Auslegung eine ganze Menge Restaurants und in einem von diesen, genossen wir ein leckeres Abendessen. Dabei besprachen wir den nächsten Tag, für welchen wir einen Mietwagen geliehen hatten. Wir wollten zusammen mit Fietes Eltern – die für ihren gesamten Aufenthalt auf Sizilien einen Mietwagen geliehen hatten – ins nahegelegene Erice zu fahren.

Hoch hinaus: auf nach Erice

Am nächsten Morgen brachen wir gemeinsam mit zwei Autos nach Erice auf. Nachdem wir das Dinghy einigermaßen gesichert, am Strand geparkt hatten, fuhren wir los. Erice ist eine antike Stadt, die Ihren Ursprung bereits 600 v. Chr. hat und in 751 Metern Höhe auf dem Monte Erice gelegen ist.

Castello di Venere in Erice, eine normannische Festung aus dem 12. Jahrhundert

Die erhöhte Lage des Städtchens führt dazu, dass man sehr viele Serpentinen fahren muss, um sein Ziel zu erreichen. Ich bin nicht gerade ein Fan von Serpentinen, aber wir kamen natürlich heil oben an und der beschwerliche Weg lohnte sich auch beim zweiten Mal: Erice war noch schöner, als wir es in Erinnerung hatten!

Bauten von Erice

Am Ortseingang stellt man das Auto ab, um durch eines der drei erhaltenen Stadttore zu Fuß in die Altstadt zu gelangen. Die Bauten, die Straßen, die Atmosphäre lassen eine andere Zeit erahnen: jedes Haus scheint der Stadt ein Stück Geschichte einzuhauchen.

Eine der schönen Straßen von Erice

Trotz der mittelalterlichen Straßen oder vielleicht gerade deswegen (die Steine sind recht groß), kam Monika langsam aber sehr gut voran. Schnell muss man in dieser Stadt aber auch wirklich nicht sein, denn es gibt an jeder Ecke was zu sehen. Mit kleinen Pausen, zum Beispiel in der berühmtesten Pasticceria der Stadt, der Pasticceria Maria Grammatico, in der wir leckere Süßigkeiten und Kaffee genoßen, ließ sich der Tag in Erice sehr gut meistern.

Traumhafte Ansichten in Erice, an fast jeder Ecke

Auf der Suche nach dem Liebeschloss

Fiete und ich waren bereits 2011 gemeinsam in Erice gewesen und freuten uns sehr, das hübsche Städtchen nochmal zu besuchen. Damals, als wir so frisch verliebt waren, haben wir in Erice ein Liebesschloss angebracht. Wir wussten nicht mehr genau wo, nur noch das es an einem Zaun auf einer Anhöhe war. Es war damals schon Abends und recht dunkel… Ich hatte wenig Hoffnung, dass wir diesen Ort wiederfinden würden, geschweigenden das Schloss. Beim durchschlendern der Stadt, konnten wir uns tatsächlich auch nur sehr bruchstückhaft erinnern. Unsere Chancen standen nicht gut…

Aussicht auf die Torretta Pepoli und das Castello di Venere im Hintergrund

Aber nachdem wir eine ganze Weile durchs Städtchen gelaufen waren, wollten wir natürlich auch noch zu einem der grandiosesten Aussichtspunkte von Erice. Von dort aus hat man einen wunderschönen Blick auf die Torretta Pepoli und das Castello di Venere. Als wir den Weg hochgingen, kamen die Erinnerungen wieder und wir waren uns sicher, dass der Zaun aus unserer Erinnerung zu dem Denkmal oben bei dem Aussichtspunkt gehörte. Die Aussicht ist wirklich atemberaubend: Man hat einen Blick auf das grüne, sonnendurchflutete Land, unzählige Türkisnuancen des Meeres, Burgen und Paläste und kann bis zu den Ägadischen Inseln blicken. Wenn man die perfekte Aussicht beschreiben müsste, so muss man eigentlich Erice sagen.

Blick auf das Meer von Erice aus

Und dort oben, in der Verliebtheit des Anblicks und der eh schon berauschenden Wirkung, fanden wir dann auch tatsächlich das Schloss wieder, welches wir acht Jahre zuvor dort festgemacht hatten. Ich weiß es ist kitschig, aber ich war in diesem Moment auch überraschend angekitscht.

Unser Liebesschloss, nicht graviert, aber das „JF“, dass dort mit Edding raufgeschrieben war ist noch zu erkennen…außerdem war es das einzige deutsche Schloss

Vielleicht war ich so angekitscht, weil ich wirklich nicht geglaubt hatte es wieder zu finden? Oder weil ich mich an den schönen Moment von vor acht Jahren erinnerte und mich darüber freute, welch großartigen Weg wir seit dem gemeinsam bestritten haben…? Jedenfalls war ich unglaublich glücklich und dankbar! Ich freute mich, unseren Kindern und Fietes Eltern diesen einmaligen Ort zu zeigen. Wir alle waren überaus glücklich über den schönen Tag in Erice.

Familienglück auf dem Monte Erice

Abends fuhren wir nach Trapani, wo Fietes Eltern übernachten sollten. Auch dort drehten wir noch eine kleine Runde in der Altstadt, bevor wir essen gingen.

Am nächsten Tag wollten wir mit der Tine weiter nach Palermo segeln. Fietes Eltern würden Trapani eingehender besichtigen und uns einen Tag später nach Palermo folgen. Als wir mit dem Auto zurückfuhren, sahen wir schon die dicken, dichten Wolken am Himmel. Wir hatten etwas Sorgen, mitten auf dem Schlauchboot in den Regen zu geraten, der sich da ankündigte.

Unsere leere Ankerbucht vor San Vito lo Capo

Als wir auf dem Schlauchboot saßen – das zum Glück noch da war – fing es an zu blitzen. Der Donner ließ sich noch etwas Zeit und so kamen wir gerade noch trocken auf unserer Tine an. Nur hatten wir vorher mit vier weiteren Booten in der Bucht geankert, jetzt waren wir das Einzige. Das Gewitter legte auch unmittelbar über uns los, als wir an Bord gingen. Etwas mulmig war uns schon dort allein in der Bucht, aber immerhin konnte man das Blitz- und Regenschauspiel vor Anker anders betrachten, als mitten auf dem Atlantik! Es war ein imposantes Spektakel, nahezu wie Naturkino in erster Reihe. Aber eben vom Inneren der kuscheligen Tine aus…

6 Kommentare

    • Henning

      So, jetzt hab ich endlich den Rest gelesen. Und es war wieder sehr schön zu lesen. Es gab aber einen Unterschied: wir waren Teil der Unternehmung und so kamen die Erinnerungen wieder hoch. Sehr schön. Das Besondere: in diesem Jahr wäre das alles gar nicht gegangen.

  • Eleonora Goio

    Ciao Julie, anch’io nel mio giro sono passata da San Vito Lo Capo e successivamente sono andata alle Egadi tutto meraviglioso …ora sto sistemando la barca per ripartire.. un abbraccio a tutti

    • Julie

      Che bello le isole Egadi. ti auguriamo un bellissimo giro in barca per quest’anno. Pecchato che non ci vediamo. Forse la prossima volto. Un grande abraccio a te di noi

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