Die Tour

7. Von Belgien nach Frankreich

Am 12. Mai waren wir in Zeebrügge angekommen. Wir wurden dort zwar sehr freundlich in Empfang genommen und hatten ein wirklich gutes Abendessen im empfohlenen Hafenrestaurant genossen, dennoch wollten wir nicht unbedingt länger in dem Hafen bleiben. So attraktiv war es dort nicht. Und gerne hätten wir uns Brügge angesehen, aber die Stadt lag eine Stunde Zugfahrt entfernt und mit zwei Kindern, war uns der Weg dann zu weit und anstrengend. Brügge werden wir ein anderer Mal, auf anderem Wege erkunden. Wir entschieden uns für eine kurze Tour in den naheliegenden Hafen von Oostende. Bis dahin waren es nur 16 Seemeilen, wir konnten also entspannt die Strömung am Nachmittag abwarten, die uns in die richtige Richtung ziehen würde. Somit nutzten wir den Vormittag noch mal um ein ausgiebiges Muttertagsfrühstück in der Sonne zu genießen. Ich bekam sogar Blumen geschenkt, für die Fiete eine kleine „Vase“ im Boot befestigte. Gegen 14 Uhr legten wir dann ab. Die Große war Feuer und Flamme was das Segeln betraf, da wir bei unserer letzten Tour von Scheveningen nach Zeebrügge mehrere Regenbögen gesehen hatten. Ihre ersten echten Regenbögen. Sie war so begeistert, dass sie jetzt unbedingt wieder segeln und noch mehr Regenbögen sehen wollte.

Regenbogen auf dem Weg nach Zeebrügge

Die Sonne schien und es gab keinen Regen – wir haben uns darüber gefreut – aber natürlich gab es dann keinen Regenbogen. Nach nur drei Stunden waren wir dann auch schon in Oostende. Auch da wurden wir sehr freundlich mit offenen Armen vom Hafenmeister empfangen. Die belgischen Hafenmeister sind wirklich äußerst freundlich. Wir hatten auch freie Platzwahl im Hafen. Aufgrund der nicht so schönen Wetterbedingungen im Mai, war es noch relativ leer. Deswegen waren die Hafenmeister wahrscheinlich auch so bemüht um die wenigen Anlieger vor Ort…

Sint-Petrus-en-Pauluskerk in Oostende

Oostende war viel schöner als Zeebrügge, der Weg hatte sich gelohnt. Der Hafen war gleich an der Stadt und am Strand gelegen und daher viel attraktiver für uns. Es ist ein wirklich hübsches Städtchen mit einer wunderschönen gotischen Kirche, der Sint-Petrus-en-Pauluskerk. Zudem gibt es eine nette Einkaufsstraße, gute Restaurants und der Strand war vor allem für die Große sehr attraktiv. Kalt war es aber leider immer noch. Wir hatten zwar Sonne, aber so richtig warm wurde einem nicht aufgrund des Windes. Zwei Tage reichten dann auch, um Oostende ausgiebig zu besichtigen. Wir wollten weiter. Ab ins nächste Land! Wir kauften noch schnell eine Frankreichflagge beim Tabakladen am Hafen, da wir keinen Segelladen in der Nähe gefunden hatten. Fiete nähte die Fahne, die ursprünglich an einem Stock befestigt war, kurzerhand nochmal so um, dass wir sie am Mast befestigen konnten. Er fand es zwar nicht ok, weil es ja eine „Billigfahne“ war, ich finde allerdings sie sieht super aus.

Unsere „billige“ französische Fahne am Mast

Frankreichs Grenze lag nicht weit entfernt. Bis zum ersten Hafen hinter der französischen Grenze waren es nur 26 Seemeilen. Also machten wir uns auf den Weg nach Dunkerque in der Region Nord. Auf Deutsch heißt die Stadt Dünnkirchen. Eine geschichtlich wichtige Stadt für den zweiten Weltkrieg und ebenfalls sehr hübsch zu besichtigen. Außerdem kam meine Urgroßmutter wohl aus Dunkerque… Das habe ich allerdings auch erst erfahren als wir da waren. Es ist also eine Reise voller wichtiger Erfahrungswerte!

Blick auf den Stadthafen von Dunkerque

Wir waren sehr froh in Frankreich zu sein. In Oostende haben die meisten Menschen zwar auch französisch gesprochen, aber die Amtssprache war ja nun mal flämisch. In Dunkerque konnten sich nun zwei von vier Crewmitgliedern verständigen. Das war schon ein Zugewinn. Vor allem für die Große, die so auch endlich mit den Kindern auf den Spielplätzen kommunizieren konnte. Es dauerte zwar ein bisschen, bis sie sich daran gewöhnte, aber nach entsprechender Wartezeit traute sie sich dann doch mit den französischen Mädchen zu spielen. Das tat ihr gut. Zudem war es das dritte Land welches wir im Monat Mai erreichten. Auch das war ein Zugewinn, immerhin hatten wir noch einiges vor.

Wir blieben drei Tage in Dunkerque, weil die Windverhältnisse nicht ideal waren für die Weiterfahrt und weil wir unseren Aufenthalt dort auch sehr genossen. Die Marina war nicht besonders schön, aber bis zur Stadt war es nicht weit. Dort machten wir Picknicke mit Baguette und Fromage, Tartelette und Orangina. Farbige Busse fuhren einen kostenlos durch die Stadt, darunter gab es auch einen pinken Bus, was für die Große das Highlight von Dunkerque war. Sie wollte gar nicht mehr weiter.

Blick auf Dunkerque vom Belfried aus

Für uns war es eher der Aufstieg auf den Belfried von Dunkerque, der sogar in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes eingetragen ist. Die Aussicht von dort oben war toll. Vor allem hat uns dann aber auch das Glockenspiel mit seinen 50 Glocken beeindruckt, das plötzlich losging als wir genau daneben standen. Die Große hatte sich so erschrocken, dass sie nicht mehr weiterlaufen wollte (wir waren auf dem Weg nach unten). Das Mini schaute mich nur mit großen Augen an während ich ihr die Ohren zuhielt. Wir hörten uns das Glockenspiel quasi hautnah an.

Am 18.05. ging es dann weiter die französische Küste runter in das nächste Département. Fiete startete aufgrund der Gezeiten mal wieder eine Nachtfahrt. Um 4:30 Uhr ging es los nach Boulogne-sur-mer. 45 Seemeilen waren es bis dahin. Der Weg führte vorbei an Calais, eine stark befahrene Seestraße, da sie zwischen Dover und Calais liegt. Hier waren viele riesige Frachter zu erwarten, was beim Segeln immer aufregend ist, weil man sehr konzentriert sein muss.

Raffinerien vor der Küste von Dunkerque

Fiete fuhr alleine los und berichtete hinterher von dem beeindruckenden Spektakel der „brennenden“ Küste. Vor der Küste von Dunkerque sind viele Raffinerien. Wenn man Nachts an diesen vorbeisegelt, sieht man eine Menge Abfackelungen an der Küste aufsteigen. Einen sehr großen Frachter mussten wir auch ziemlich nah passieren, aber als die Kinder und ich wach wurden, war das schon vorbei und wir bereits ein gutes Stück hinter Calais. Wir hatten diese „aufregende“ Seestraße also super passiert.

Hafeneinfahrt von Boulogne-sur-mer

Nach sieben ein halb Stunden kam wir in Boulogne-sur-mer an. Da wir mittlerweile geübt waren meldeten wir uns brav bei der Portcontrol an. Da man die Funksprüche oft nur schwer versteht, blieb ich beim Englisch, um den Funkspruch zu senden, damit Fiete im Zweifel auch was verstehen konnte. Es klappte zwar, wir mussten unseren Funkspruch aber mehrmals wiederholen… das nächste Mal traue ich mich dann vielleicht doch auf Französisch. Ich bin mir nicht sicher, wie weit mein maritimes Französisch ausreicht, den Wortschatz habe ich bisher noch nicht benötigt. Wir werden ein bisschen Zeit haben, damit ich das ausbauen kann. Fiete war nach der Tour entsprechend müde, daher zog ich mit den Kindern los, um Boulogne-sur-mer zu erkunden. Die Stadt liegt in der französischen Region Pas-de-Calais. Der Hafen war wieder nicht besonders schön, aber abermals nicht weit von der Stadt entfernt. Wie so einige französische Küstenstädte, wurde die Stadt im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt, weswegen am Wasser vornehmlich unschöne 60er- 70er Jahre Bauten zu sehen sind.

Karussel im Pariser-Stil

Der erste Gang war natürlich zum Spielplatz. Genau neben dem Spielplatz gab es eines dieser schönen alten Karussells, die ich noch aus meiner Kindheit aus Paris kenne. Als die Große damit fahren wollte, wäre ich am liebsten mitgefahren. Sie durfte zwei Runden fahren und anschließend wurde ausgiebig auf dem Spielplatz getobt. Im Anschluss fanden wir einen kostenlosen Bus, der uns hoch zum historischen Stadtkern der Stadt brachte. Da wurde es dann auch wirklich schön.

Altstadt von Boulogne-sur-mer

Hinter der alten Stadtmauer gab es mal wieder eine schöne Kirche, die Kathedrale Nôtre-Dame. Wie ich in meiner Kindheit, müssen auch meine Kinder diverse Kirchen und Museen besichtigen. Das scheint sich durchzuziehen… Die Altstadt lud zum Schlendern ein und wir hatten einen wirklich schönen Tag. Zum Abschluss kauften wir für das Abendessen ein und bekochten unseren Kapitän. Wir wussten noch nicht ob wir bleiben oder weiterfahren würden. Für heute waren die Eindrücke erstmal vielfältig genug und wir genossen ein gutes Abendessen mit frischem Gemüse und Obst. Bon appétit!

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