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Die Tour

23. Segeln rund um die Ägadischen Inseln

Ich hätte Sardinien gerne noch mehr besegelt. Unsere Zeit dort war viel kürzer, als ich mir das im Vorfeld überlegt hatte. Ich wollte schon immer mal nach Sardinien, da man immer hört wie traumhaft schön diese Insel sein soll. Jetzt waren wir nur ein wenig länger als eine Woche dort gewesen und  hatten gerade mal ein kleines Stück im Süden der Insel bereist. Segeln ist eben wirklich keine schnelle Art des Reisens. Uns wurde immer wieder deutlich, dass sieben Monate zwar irre lange klingen, es aber für die Strecke, die wir uns rausgesucht hatten wirklich keine lange Zeitspanne ist. Man hätte in sieben Monaten auch nur Italien besegeln können und hätte trotzdem nicht alles gesehen. 

Die Tine hält Kurs auf Sizilien

Wir setzen also Kurs auf Sizilien. Während wir schon in Richtung Sizilien segelten,  schauten wir uns die Route nochmal genauer an. Kurz vor Sizilien gab es einige kleine Inseln, die Ägadischen Inseln. Nicht die Ägäischen, sondern die Ägadischen Inseln. Wer von denen noch nichts gehört hat, dem geht es wie uns. Wir kannten sie nicht, daher überlegten wir, ob wir dort einen Zwischenstopp einlegen sollten. Der Bereich, um die Inseln war in der Karte allerdings mit merkwürdigen Markierungen versehen, so dass wir nicht wussten, wie die Ankerbedingungen vor Ort waren. Da unsere neuen Segelbekanntschaften die Strecke bereits hinter sich hatten, fragte ich dort nach Erfahrungsberichten. Sailing Kittiwake konnte uns insofern weiterhelfen, als dass sie wussten, dass man um die Inseln herum eine Genehmigung zum Ankern brauchte.

Die Wasserzonen der Ägadischen Inseln: Eingeteilt in rot, gelb, grün

Ich versuchte also online eine Genehmigung zu erhalten, solange wir noch Empfang hatten. Leider funktionierte die Internetseite nicht besonders gut und telefonisch ließ sich auch niemand erreichen. Wir entschieden uns trotzdem dafür zur Insel Marettimo zu segeln. Vor Ort, so hofften wir, würde sich das mit der Genehmigung schon klären lassen.

Kurs auf Marettimo

Wir hatten im Vorfeld von vielen Seglern gehört, dass das Segeln und Ankern in Italien ziemlich reglementiert war. Ganz anders als „La dolce Vita“ suggeriert, sind die Italiener tatsächlich sehr streng mit ihren Gesetzen und verteilen immens hohe Strafen, wenn man sich wissentlich oder auch unwissentlich wiedersetzt. Trotzdem ließen wir uns davon nicht abschrecken und nahmen Kurs auf Marettimo.

Die traumhafte Küste Marettimos

Unsere Überfahrt war von Anfang an ziemlich wellig. Eigentlich dachte ich, ich wäre mittlerweile auch raue Seegänge gewöhnt. Aber zwei Tage lang von bis zu 4 Meter hohen Wellen hin und her geschaukelt zu werden, ließ mich schon wieder viel auf den Horizont schauen! Als wir dann endlich Land sichteten waren wir schon sehr erleichtert. Diese Überfahrt hatte uns doch ziemlich gefordert. Wir freuten uns, endlich wieder an Land gehen zu können.

Marettimo: traumhaftes Meer und bergige Landschaft

Allerdings stand noch die Frage offen, wie und wo wir ankern durften. Als wir nah genug an der Insel waren, funkte ich daher den Hafen von Marettimo an. Dort wurde uns gesagt, wir können ab 20 Uhr kostenlos direkt am Hafen anlegen, allerdings nur bis 8 Uhr morgens. Da es 19:35 Uhr war, als wir diese Neuigkeiten hörten, waren wir hoch erfreut. Bis 8 Uhr morgens reichte uns völlig und jetzt konnten wir erstmal auf den Hafen zusteuern.

Blick auf den Hafen von Marettimo

Als wir im Hafenbecken waren, verstanden wir erst nicht so recht wo wir anlegen konnten. Dann sahen wir, dass es sich um die Anlegestellen direkt an der Tankstelle handelte. Allerdings hätten wir Schwierigkeiten gehabt mit der Tine dort anzulegen, da wir rückwärts reingemusst hätten. Also entschieden wir nach einigem hin und her, dass wir doch lieber im Hafenbecken ankerten. Wir waren uns nicht sicher, ob das erlaubt war. Aber da auch andere Booten dort ankerten entschieden wir, dass wir unser Glück versuchen wollten. Kurz nach 20 Uhr waren wir dann allerdings die Einzigen, die noch im Hafenbecken ankerten. Alle anderen Boote hatten an der Tankstelle angelegt… jetzt hatten wir dort aber eh keinen Platz mehr.

Das Hafenbecken von Marettimo, links unten die Tine an ihrem Ankerplatz

Da wir einerseits unsicher waren und es anderseits auch schon spät war, blieben wir für diesen ersten Abend an Bord und genossen die Aussicht. Wir nahmen uns vor früh schlafen zu gehen, um am nächsten Tag bei Kräften zu sein und die Insel zu erkunden. Daraus wurde allerdings nichts, da auf einem der Boote, das an der Tankstelle lag, eine Party gefeiert wurde. Zwischenzeitlich war es so laut, dass wir echt genervt waren. Letztendlich waren wir froh nicht direkt neben diesem Boot im Hafen zu liegen. Sonst hätten wir dort sicherlich neue Bekanntschaften gemacht…die nicht unbedingt positiv gewesen wären.

Sonnenuntergang im Hafen von Marettimo

Wir erkunden Marettimo

Am nächsten Tag fuhren wir mit dem Dinghy an Land, um die Insel zu erkunden. Außerdem wollten wir nun endlich herauszufinden an welchen Orten wir Anker durften und wo nicht. Das Schlauchboot konnten wir unkompliziert am Strand festmachen. Als wir losgingen waren schon ein paar Touristen-Gruppen mit der Highspeed-Fähre angekommen, aber da es Anfang Oktober war, waren es nicht zu viele. Die Insel Marettimo ist unglaublich schön! Weiße Häuser, viele kleine Gassen mit bezaubernden Häuschen und Hauseingängen, Bougainvillea die hier und da die Hauswände erklimmen und sehr freundliche Menschen überall.

Bougainvillea in den Gassen von Marettimo

Wir gingen als erstes in die Touristeninformation, um uns bezüglich unseres Ankerspots abzusichern. Dort erfuhren wir, dass es eigentlich nur einige Orte gab in denen man gar nichts ankern durfte und einige wenige Bereiche in denen eine Genehmigung erforderlich war. Im Hafenbecken zu ankern war erlaubt und kostenfrei und somit konnten wir glücklich und entspannt durch Marettimo schlendern.

Die wunderschönn weißen Häuser von Marettimo gelegen an kristallklarem Wasser

Von einem dieser freundlichen Insulaner ließen wir uns eine Restaurant Empfehlung zum Mittagessen geben. Er empfahl uns gleich zwei Restaurants, da er nicht sicher war ob seine erste Wahl offen hätte. Wir waren nun mal außerhalb der Saison auf einer Touristeninsel. Tatsächlich hatte das erste Restaurant nicht geöffnet, dafür aber das Zweite. Für uns erwies sich das als Glücksfall, denn das Essen dort war unglaublich! Noch jetzt läuft mir das Wasser im Mund zusammen, wenn ich an diese ausgesprochen köstliche Pasta denke: frische Pasta mit Schwertfisch in Ricotta-Pistaziencreme! Unfassbar lecker! Seitdem habe ich ein paar Mal versucht dieses Rezept nach zu kochen. Leider ist es mir bisher nicht annähernd gelungen. Wer ein solches Rezept hat, bitte immer her damit.

Blick aufs Meer von den Gassen Marettimos aus

Verliebt in eine Insel…

Die hervorragende Küche der traumhafte Anblick auf das Türkise Meer, die schönen Farben der Blumen und Häuser haben eine großartige Erinnerung an eine kleine wundervolle Insel hinterlassen! Das einzige dass unsere Erinnerung an Marettimo trübt, ist das unsere Große beim Baden vom Boot aus scheinbar mit den Tentakeln einer Qualle in Berührung kam. Wir konnten zwar keine Qualle entdecken, dennoch hatte sie ziemlich eindeutige Striemen auf den Beinen, wenn auch nicht besonders stark ausgeprägt.

Dennoch tat ihr das Bein natürlich weh und die Aufregung war groß. Wir sind uns nicht sicher, aber wir gehen davon aus, dass die Quallententakeln in der Ankerkette hängen geblieben sind und unsere Große dort mit ihnen in Berührung kam. Zum Glück reichte die Behandlung mit den üblichen Haushaltsmitteln aus, um die Schmerzen zu lindern. Am nächsten Tag war schon fast wieder verheilt, nur vergessen konnte sie dieses Erlebnis nicht so schnell und hatte seitdem ganz schöne Vorbehalte vom Boot aus ins Meer zu hüpfen…

Ankerspot bei Marettimo

Trotz des kleinen Inselparadieses, segelten wir natürlich bald weiter, aber nicht ohne vorher noch eine der berüchtigten Grotten von Marettimo zu besichtigen. Uns wurde gesagt, man hätte die Insel nicht gesehen, wenn man nicht die Grotten besichtigt hätte. Wir überlegten erst eine Tour mit dem Motorboot zu buchen, entschieden uns dann aber dafür nur eine Grotte zu besichtigen und das dafür selbst in die Hand zu nehmen. Wir hatten ernsthaft überlegt ob wir es überhaupt machen sollten, da wir in Portugal und auf Ibiza ja bereits Grotten gesehen hatten und dachten irgendwann sehen die auch alle gleich aus. Aber tatsächlich sehen sie nie gleich aus! Wir waren dann doch ganz froh, dass wir diesen Zwischenstopp noch eingelegt haben: Nicht nur die Grotte sondern auch das Meer, an unserem Ankerplatz überzeugte mit einer traumhaften Artenvielfalt beim Schnorcheln. Ich konnte mich kaum sattsehen.

Grottentour im Dinghy bei Marettimo

Ankern bei Favignana

Am Nachmittag segelten wir weiter und machten für die Nacht einen Zwischenstopp an einer Mooring vor der Insel Favignana. Wir kamen spät an und legten früh ab, so dass wir für diesen Aufenthalt an der Mooring nichts zahlen mussten. Allerdings legten wir viel früher ab als geplant: die Strömung an dieser Stelle des Meeres war so merkwürdig, dass die Mooring die halbe Nacht gegen unseren Bug knallte. Egal wie wir daran festmachten, kurze Zeit später ging das Geklapper wieder los und kostet uns somit zumindest unseren Schlaf. Irgendwann kam Fiete auf die glorreiche Idee den Ball so hoch zu ziehen, dass er nicht mehr im Wasser lag, so dass wir die restlichen drei Stunden bis die Kinder wach wurden ruhig schlafen konnten.

Der Ausblick von unserem Ankerspot war großartig…nur die Nachtruhe nicht

Wir erreichen sizilianisches Festland

Wir stellten uns darauf ein, dass es aufgrund des Schlafmangels ein anstrengender Segeltag werden würde. Aber entgegen unserer Vermutung wurde es ein traumhafter Segeltrip. Auf spiegelglatter See kamen wir langsam aber stetigen voran, die Kinder waren sehr entspannt und die Sonne und die schöne Küste Siziliens lachte uns an. Wir alle waren an diesem Tag sehr entspannend. Vielleicht waren Fiete und ich auch einfach nur müde, aber so oder so genossen wir den Törn sehr.

Die Tine auf ihrem Weg nach Sizilien

Am Abend hatten wir von unserem Ankerplatz in Favignana aus, eine goldene „Lichtschlange“ an der Küste Siziliens gesehen, die sich den Berg hinaufschlängelte. Jetzt wo wir dem sizilianischen Festland so nah waren konnten wir erkennen, dass es sich dabei um eine Seilbahn handelte die von Trapani zum hoch oben gelegenen Erice führte.

Die Ägadischen Inseln von weitem

Wir freuten uns wahnsinnig Sizilien erreicht zu haben, so dass selbst der Verlust von Minis drittem Sonnenhut diese Freude nicht schmälern konnte. Als wir vor San Vito lo Capo den Anker schmissen, waren wir wieder Mal mächtig stolz auf uns und unsere Mädchen. Wir waren so weit gekommen. Jetzt hatten wir Sizilien erreicht. Hier sollten wir am nächsten Tag Fietes Eltern treffen. Wir freuten uns alle sehr darauf, da wir uns schon lange nicht mehr gesehen hatten und wir so einiges zu erzählen hatten…

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