Die Tour

17. Türkises Paradies – Andalusien und Murcia

Nachdem meine Schwester uns in Málaga besucht hatte und wieder abgefahren war, blieben wir noch eine Nacht im Hafen des Ruderclubs. Am nächsten Tag setzten wir Segel und fuhren weiter die andalusische Küste entlang zum Ankern nach Roquetas de Mar. Der Ort war ganz charmant und die Pizzeria an der Strandpromenade bot genau die richtige Speisekarte, nach solch einem langen Segeltag.

Segeln an der spanischen Küste – wir bleiben lieber etwas weiter von den Steinen entfernt

Am nächsten Tag mussten wir sowohl den Tank als auch unseren Kühlschrank wieder auffüllen. Also fuhren wir nach San José, das war der nächste Ort mit Tankstelle. Während Fiete tankte ging ich mit den Mädels einkaufen. Leider durfte er nicht an der Tanke auf uns warten, bis wir vom Einkaufen zurück waren, weswegen er ein paar Zick-Zack-Linien vor dem Hafen segelte, bis wir wieder zurück waren und er uns wieder einsammeln konnte. Mit vielen leckeren Sachen beladen, segelten wir weiter in eine sehr schöne Ankerbucht bei Ensenada della Fuente: Die Bucht von Las negras.

Las negras, ein kleines Paradies

Als wir in der Bucht von Las negras ankamen waren wir wirklich überwältigt von dem Anblick: Das Wasser war wunderbar klar und türkis, man konnte 10-12 Meter bis auf den Grund sehen. Der Strand, in der Nähe war zwar gut besucht, allerdings nur tagsüber, da er mitten in einem Wüstengebiet lag. Das heißt am Nachmittag fuhren alle mit dem Auto wieder weg und es war herrlich ruhig in der Bucht. Es waren einige andere Boote da, aber nicht viele. Es war ein richtiges, kleines Paradies.

Die Tine in der Ankerbucht von Las negras

Wir blieben einige Tage vor Ort und genossen die Vorteile vom Bootsleben: Baden gehen, Schnorcheln, in der Sonne liegen, Sterne und Sternschnuppen gucken und einfach mal abhängen… soweit das mit zwei kleinen Kindern möglich ist. Wir könnten es aber durchaus gut genießen. Das Wasser war wunderbar warm, so dass wir selbst das Mini zum erstem Mal ganz mit ins Meer zum Baden nahmen (mit Schwimmweste). Ich entdeckte dort das Schnorcheln für mich. Nachdem Fiete mich dazu überredet hatte, wollte ich gar nicht mehr damit aufhören. Gegen die Haiphobie hilft das schonmal ganz gut und die ganzen Fische um einen herum zu sehen ist nicht nur faszinierend, sondern auch beruhigend. Die Landschaft drum herum war ebenfalls absolut überzeugend: Eine verlassene Festung, viele Kakteen und noch mehr tolle Buchten mit unfassabr vielen Blau- und Türkistönen. Es war traumhaft schön an diesem Ort!

Die andere Seite der paradisischen Bucht in Las negras mit Blick auf die verlassene Festung

Eigentlich wollten wir gar nicht mehr weg. Aber wir hatten ja noch weitere Ziele und für den Geburtstag unserer Großen, der bald anstand, hatten wir ein paar Pakete inklusive eines neuen Autopiloten nach Alicante bestellt. Deswegen beschlossen wir nach ein paar Tagen langsam weiter die Küste in Richtung Alicante zu segeln.

Die Küste der Murcia entlang

Wir hatten einige sehr lange Törns hingelegt und wollten deswegen zur Abwechslung mal etwas langsamer machen. So eilig hatten wir es nicht, es war erst der 9. August, der Geburtstag unserer Großen war erst in fünf Tagen. Wir übernachteten also in einer weiteren schönen Bucht, in welcher wir auch noch mal das Wasser genossen. (Das taten wir ab Juli aber eigentlich überall, deswegen sei das hier das letzte Mal erwähnt.) Etwas später am Abend kam ein Mann im Schlauchboot vorbei und fragte, ob wir Mojito trinken möchten. Ich wollte schon, aber da das immer noch nicht möglich war ließen wir es beide sein. Fiete bereute es später, da hätte er doch gerne mit einem Mojito den Abend ausklingen lassen. Aber der Boots-Barkeeper war leider nicht mehr zu sehen. Was für eine lustige Idee, den anlegenden Booten Cocktails zu mixen… das wäre so ein Job, den könnten wir uns auch vorstellen.

Die Küste der Murcia bietet ein tolles Panorama

Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Alicante. Die Große bekam während der Fahrt hohes Fieber und wir machten uns etwas Sorgen. Hatte sie wieder einen Sonnenstich? Oder war es diesmal ein Virus? Wir beschlossen einen Hafen anzufahren, um die Situation besser beobachten und ggf. auch einen Arzt aufsuchen zu können. So kamen wir in den Hafen von Cartagena. Dort wollten wir erstmal schauen wie sich der Gesundheitszustand der Großen entwickeln würde. War auch gut, hauptsache Spanien…

Die spanische Flagge im Mondschein von Cartagena

Wir hatten per Funk ein Platz angefragt und darum gebeten, nach Möglichkeit an einem Fingerponton anlegen zu können, mit der Begründung, dass es mit den Kindern einfacher wäre. Um ehrlich zu sein hatten wir nicht besonders große Lust das römisch-katholische Anlegemanöver zu wiederholen, nachdem unser Ablegen beim letzten Mal so blöd geendet hatte (wer nochmal nachlesen möchte: 16. Endlich Málaga) Netterweise bekamen wir dann auch einen Platz am Ponton und konnten somit auf bequem ein- und aussteigen.

Blick vom Hafen von Cartagena, wenn kein Kreuzfahrtschiff vor Anker ist

Die Große fieberte noch einen ganzen weiteren Tag und wir blieben ruhig auf dem Boot. Die Aussicht vom Boot auf die Berge war sehr nett und der Hafen bot alle nötigen Annehmlichkeiten. Am zweiten Morgen waren wir allerdings etwas überrascht, als wir ein Hochhaus an unserem Boot vorbeischwammen sahen. Es war eines von vielen Kreuzfahrtschiffen, die im naheliegenden Hafen anlegten und uns damit die ganze Sicht versperrten. Vor allem die Aida, die scheinbar nur deutsche Gäste hatte, nervte etwas mit ihren permanenten Durchsagen, dass das Essen jetzt fertig oder irgendwelche Aktivitäten nun möglich wären. Zum Glück blieben die Schiffe nie lange vor Ort, weswegen wir darüber lachen konnten. Und das hübsche „Sail away“-Lied beim Ablegen, ist jetzt auch zu unserem Lieblings-Ablegelied geworden…naja…nicht ernsthaft, aber es kommt ab und zu mal zum Einsatz.

Straßenschild in Cartagena – selbst diese sind schön

In der Zwischenzeit hatten wir erfahren, dass die Pakete, die nach Alicante kommen sollten nicht mehr ankamen, da die Poststelle die Pakete nicht annehmen konnte. Das Wetter war auch nicht ideal zum weitersegeln und mit unserem kranken Kind, wollten wir erstmal eh nicht weiter. Also entschieden wir die Bestellung zu stornieren und einige Tage in Cartagena zu bleiben.

Cartagena – 3000 Jahre Stadtgeschichte

Die Stadt Cartagena hat uns sehr positiv überrascht. Die 3000 Jahre Stadtgeschichte, ließ sich an verschiedenen Orten der Stadt besichtigen. Das antike Teatro Romano zum Beispiel, welches eine besonders spannende Geschichte darlegt, da es erst in den 90er Jahren wiederentdeckt wurde. Die Altstadt und der Hafen waren ebenfalls absolut sehenswert.

Rathaus von Cartagena auf dem Hauptplatz

An jeder Ecke waren schöne Bauten aus verschiedenen Jahrhunderten zu entdecken. Viele Gebäude wurden am Anfang des 20. Jahrhunderts erbaut und sind somit architektonisch dem Jugendstil angelehnt. Wir entdeckten aber auch tolle Plätze mit riesigen, alten Bäumen oder Bögen, die von zauberhaften Blumen umrankt wurden. Eine faszinierende Stadt. Wieder ein Ort, den wir ohne Segelboot sicherlich nicht entdeckt hätten. Das ist eigentlich das tollste am Segeln: an Orte zu kommen, die man unbedingt gesehen haben sollte, ohne vorher zu wissen das man das sollte.

Straßenlaterne und schöne Gebäude in der Innenstadt von Cartagena

Die Große war am dritten Tag zum Glück wieder gesund, so dass wir dann auch zu viert die Stadt erkunden konnten. Das war besonders schön zu mal an diesem Tag auch noch unser Hochzeitstag war. So konnten wir dann auch schön essen gehen. In der Stadt fanden wir dann auch alle Geschenke für die Große, die wir zuvor bestellt hatten, weswegen wir dann auch nicht mehr traurig waren nicht bis nach Alicante gekommen zu sein.

Girlanden als Deko im Innenschiff

Am 14. August war es dann endlich soweit, unsere Große wurde fünf Jahre alt. Das Boot wurde mit Girlanden dekoriert, eine Smartiestorte abgeholt und alles entsprechend vorbereitet. Für die Große war das eine besondere Überraschung, die auf dem Boot gar nicht erwartet hatte, das es Geschenke, Kuchen und Deko gab. Sie dachte, wir hätten ein Bild für sie gemalt. Die Vorbereitungen hatten sich also gelohnt, die Große war glücklich.

Smartiestorte, Deko und Geschenke – so schön kann ein 5. Geburtstag an Bord der Tine sein

Mit den Geschenken am Morgen, war der Geburtstag natürlich noch nicht erledigt. Es musste noch ein Tagesprogramm her. Wir wollten keine langen Segeltouren am Geburtstag machen, aber die Große wollte sehr gerne an einen Strand. Also legten wir aus Cartagena ab und machten einen kurzen Segeltrip zur nächsten ansprechenden Bucht. Dort bereiteten wir eine Schatzsuche vor. Als die Große die Flaschenpost im Wasser fand war sie total aufgeregt. Schnell wollte sie die darin enthaltene Karte ausbreiten und die Stelle mit dem „x“ entdecken.

Nicht unserer Schatz, aber auch toll zu entdecken – Fossilien in den Felsen der spanischen Küste

Als sie den Schatz dann gefunden hatte, war sie zunächst zwar etwas irritiert darüber, dass Piraten Stifte und eine Federtasche vergruben, aber wir konnten sie davon überzeugen, dass es sich dabei um ganz besondere Stifte handelte. Mit so vielen Geschenken, Kuchen, Baden und Malen, war der Tag dann auch schon bald rum. Die Große schlief zufrieden ein und wir waren froh, dass wir ihr auch weit weg von Zuhause und all ihren Freunden einen schönen Geburtstag beschert hatten.

Ein schöner Tag zu viert

Als die Große schon schlief saßen wir noch draußen und genossen die schöne Umgebung. Während wir so dasaßen und darüber redeten wie schön das Meer war und ob wir nochmal schwimmen gehen sollten, roch es plötzlich sehr komisch. Das eigentlich schöne Meer war plötzlich gar nicht mehr so schön: ein weißer Film schwamm auf dem Wasser. Wir überlegten was das sein könnte, ob das Futter von der naheliegenden Fischfarm war oder ob es Dreckwasser von dem Boot vor uns war?

Fischfarm in der Nähe unserer Ankerbucht in Punta negra

Am nächsten Tag wurde das Rätsel gelöst. Als wir schon losgefahren waren, um in Richtung Alicante zu segeln, checkten wir nochmal den Wetterbericht und stellten fest, dass der Wind gut stand, um bis nach Ibiza zu segeln. Beim Segeln muss man gute Wetterfenster nutzen! Also setzten wir Kurs nach Ibiza. Fiete wollte das Schlauchboot an Bord holen, doch als er es sich genauer ansah, fiel ihm auf, dass auf Höhe der Wasserkante ein weißer Film am Boot klebte. Nicht nur am Schlauchboot, sondern auch an der Tine. Bewaffnet mit Lappen und Eimer kletterte Fiete ins Schlauchboot, um die Pampe zu entfernen. Leider stellte er dabei fest, dass es sich keineswegs um Fischfutter, sondern um weiße Farbe handelte. Es musste am Abend vorher also ein Schiff einige hundert oder tausend Liter Farbe verloren haben, die in unsere Bucht in Punta Negra gelaufen waren. Diese hatte sich auf alles draufgelegt, was dort schwamm und war natürlich nicht so einfach ab zu bekommen. Was für eine Schande, wieder wurden unsere Meere verpestet.

So schön war der Mond in der Bucht von Punta negra… bevor die Farbe kam

Wie überlegten, ob wir einfach weiterfahren und die Farbe dann auf Ibiza entfernen sollten, entschieden uns dann aber doch dagegen. Fiete hatte sicherlich recht, dass sich die Farbe nicht besser entfernen lassen würde, wenn sie noch zwei Tage am Boot klebte und durch die Sonne antrocknete. Also legten wir doch noch mal einen Zwischenstopp ein. Wir segelten nach Tomás Maestre, einen Hafen, der nie fertiggestellt wurde. Auf dem Weg dahin stellten wir fest, dass wahnsinnig viele Boote unterwegs waren. Es war nämlich ein Feiertag: der 15. August. Scheinbar war mindestens halb Spanien auf dem Wasser an diesem heißen Sommertag. Es war also gar nicht so schlimm, dass wir uns „zurückzogen“.

Hafenmauern von Tomás Maestre bei Mar Menor

Der nicht fertiggestellte Hafen, war nicht schön, da überall Metallwände für die Becken eingelassen waren, aber sonst nichts gebaut wurde. Dafür bot dieser Ort idealen Schutz vor Wind und Schwell aus allen Richtungen und hatte irgendwie auch was faszinierendes. Es war also ein guter Ort, um ruhig am Boot zu arbeiten. Bewaffnet mit einem Spatel und einer Box für die Farbreste machte Fiete sich daran, das Dinghy und unsere Tine von der weißen Pampe zu entfernen. Knapp drei Stunden musste der arme Mann in der Hitze ackern, dann hatte Tine wieder einen freien Rumpf. Wir waren etwas frustriert. Statt nach Ibiza zu segeln, ging der ganze Tag drauf, um weiße klebrige Pampe zu entfernen. Wie unschön. Wir hatten „We’re going to Ibiza“ schon eingestimmt.

Auch wenn wir mittlerweile sehr verwöhnt waren, was die Wasserqualität betraf und der Hafen nicht annähernd mithalten konnte, so nutzten wir das Meer trotzdem, um uns abzukühlen. Wir waren nicht die Einzigen und angenehm war das Wasser dort trotzdem. Außerdem musste man sich bei den Temperaturen wirklich regelmäßig abkühlen. Es ist heiß im August in Südspanien!

Blick auf den Hafen hinter der Brücke von Mar menor

Am Abend checkten wir die Windvorhersage, die nach wie vor gut war, um auf die Balearen überzusetzen. Nicht so gut wie an diesem 15. August, aber in Ordnung. Deswegen gingen wir früh schlafen, um am nächsten Tag unsere längere Tour in Richtung Formentera bei Ibiza zu starten. Kurz vorm Einschlafen summte ich nochmal „We’re going to Ibiza“ vor mich hin. Ich freute mich auf die Inseln…

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